Was eine Küche wirklich braucht
Was sich jeden Tag bewährt – und worauf Sie ohne Reue verzichten können.
Das beste Essen entsteht oft in den kleinsten Küchen. Wer schon einmal in einem kleinen italienischen Lokal gegessen hat, weiß das. Über gutes Essen entscheiden nicht die Zahl der Geräte, sondern gute Zutaten, Erfahrung und Freude am Kochen. Nach 38 Jahren Küchenplanung bin ich sicher: Bei einer Küche ist es genauso. Eine gute Küche erkennt man nicht daran, was alles drinsteckt, sondern daran, wie gerne man darin Zeit verbringt.
Die Küche ist der wichtigste Raum im Haus
In den meisten Familien spielt sich ein großer Teil des Lebens in der Küche ab. Hier wird gefrühstückt, gekocht, erzählt, Hausaufgaben gemacht und am Laptop gearbeitet. Deshalb frage ich bei jeder Planung zuerst: Wie leben Sie? Für viele ist eine Küche, die sich zum Ess- und Wohnbereich öffnet, die richtige Antwort. Wer kocht, ist dann nicht allein, und Gäste stehen ganz selbstverständlich mit einem Glas am Küchenblock. Eine kleine Fläche an der Insel, an der man schnell frühstücken kann, wird oft zum beliebtesten Platz im ganzen Haus.
Geräte: lieber das Richtige als alles
Moderne Küchentechnik kann wunderbar sein. Ein Dampfgarer zum Beispiel ist für alle, die gerne gesund und schonend kochen, ein echter Gewinn. Aber jedes Gerät lohnt sich nur, wenn Sie es auch benutzen. Ich habe zu viele Küchen gesehen, in denen teure Technik kaum je eingeschaltet wurde. Deshalb spreche ich mit Ihnen ganz offen darüber, wie Sie kochen. Was Sie täglich brauchen, bekommt den besten Platz. Was Sie nur selten nutzen, muss vielleicht gar nicht sein. Das Geld ist dann bei besseren Fronten, einer schöneren Arbeitsplatte oder einem durchdachten Stauraum oft besser aufgehoben.
„Eine gute Küche erkennt man daran, wie gerne man darin Zeit verbringt.“
Kleine Dinge, die man jeden Tag schätzt
Es sind oft die unscheinbaren Details, über die sich meine Kunden noch Jahre später freuen. Ein hoch eingebauter Geschirrspüler erspart das ständige Bücken beim Ein- und Ausräumen. Ein Heißwasserhahn liefert sofort kochendes Wasser für Tee, Ingwerwasser oder zum Blanchieren. Und wer gerne mit offener Flamme kocht, wird ein Gaskochfeld nicht mehr hergeben wollen. Andere schwören auf Induktion. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch, nur Ihren Geschmack.
Worüber man vorher nachdenken sollte
Grifflose Fronten mit „Push to open“, also Öffnen per Antippen, sehen wunderbar ruhig aus. Dort, wo Gäste an der Theke sitzen oder stehen, kann aber schon ein Knie eine Tür aufspringen lassen. Das ist ein Luxusproblem, aber es nervt auf Dauer. An solchen Stellen plane ich deshalb lieber eine Griffleiste oder Griffmulde. Auch die Farbe will gut überlegt sein. Dunkle Fronten wirken edel, zeigen aber Staub und Fingerabdrücke schneller als helle. Nehmen Sie ruhig ein Muster mit nach Hause und schauen Sie es sich ein paar Tage bei Ihrem eigenen Licht an.
Text: Anton Dworzsak